Self Care Day

Heute morgen drohte mich das Grau dieses Berliner Winters mit all seinen diesjährigen Folgeerscheinungen in meinem Urlaub einzuholen. Ich habe mir extra eine Woche Auszeit in den Bergen gegönnt, um im Schnee Licht zu tanken und in der Natur zur Ruhe zu kommen. Und dann - noch bevor ich die Augen öffne - höre ich den Wind und den Regen draußen. Schietwetter ist angesagt und ich würde am liebsten im Bett bleiben und mich weigern diesen Tag zur Kenntnis zu nehmen. Ein sinnvoller Weg ist das allerdings nicht, denn ich weiß, das ich spätestens am Mittag nicht mehr weiß wie ich liegen soll, die Buchstaben eines Buches mir vor den Augen verschwimmen, meine Laune immer träger wird als Pendant zu meinem Körper und ich eine schreckliche nächste Nacht vor mir habe weil ich nicht schlafen kann. Also doch raus und den Tag zur Kenntnis nehmen.

Bevor ich aufstehe, beschließe ich, einen Self Care Day aus diesem Tag zu machen. Mir lauter Dinge zu gönnen, zu denen ich sonste keine oder wenig Zeit habe und von denen ich weiß, dass sie mir gut tun. Ich will dem Grau draußen etwas Buntes entgegensetzen und der Kälte etwas Warmes.
Nach einer ersten schnellen morgendlichen Reinigung rolle ich meine limonengrüne Yogamatte aus, hole mein knallrotes Meditationskissen und werfe mich in meine Yogasachen plus warmen Pullover. Entgegen meiner sonstigen planvollen Yogasessions absolviere ich eine völlig planlose Yogapraxis. Ich mache, was mir in den Sinn kommt, wo ich das Gefühl habe etwas öffnen oder stärken zu müssen. Es wird ein bunter Mix aus Flows, Dehnungen und Kraftübungen - nichts passt zueinander, nichts ist systematisch aufgebaut aber es tut verdammt gut. Eine Meditation beendet meine Praxis und meine Laune hat sich deutlich verbessert.

Nach einem Kaffee mische ich den Kaffeesatz mit etwas Mandelöl und habe ein wunderbares Duschpeeling. Der Kaffeesatz peelt alte Hautpartikel runter, das Koffein hat aktivierende Wirkungen auf die Haut und das Mandelöl pflegt die Haut. Man könnte es als 2in1 Produkt beschreiben. Zwar macht es etwas Dreck in der Dusche, aber der ist schnell beseitigt. Danach fühle ich mich wirklich wach.
Da Wärme und Gemütlichkeit jetzt im Vordergrund stehen, ziehe ich mir mein blaues Lieblingswollkleid über, das mich wie eine Wolke warm einhüllt. Ein paar warme Wollsocken und ein wollenes Tuch am Hals komplettieren die Wärmehülle. Wärme von innen bringt eine Schale Haferflockenporridge mit Apfel und Rosinen und wärmenden Gewürzen wie Zimt, Ingwer und Kardamom.

Inzwischen ist es fast Mittag und draußen ziehen nach wie vor schwere Sturmwolken über die Berggipfel. Vor meiner Abreise in den Urlaub habe ich mir ein Hörbuch von Thich Nat Than auf mein Handy geladen. Auch wenn Achtsamkeit (so der Titel) inzwischen ein fast schon ausgelutschter Begriff ist, schätze ich sowohl das Thema an sich als auch die für jeden zugängliche Lehre von Thich Nat Than. Also Kopfhörer auf, gemütlichen Platz mit Blick in den stürmischen Tag gesucht, Zettel und Stift für wichtige Gedanken bereit gelegt und es kann los gehen. Ein wunderbar gelesenes Buch mit vielen kleinen und einfachen Tips zum Thema Achtsamkeit im Alltag.
Und während ich höre, zieht es draußen etwas auf, der Regen geht in Schnee über und ab und zu kommt die Sonne durch. So eine Gelegenheit um doch noch raus in die Winterlandschaft zu gehen muss man nutzen - ich mache mich mit meinem Mann zur 3,5km entfernten Singerhauser Hütte auf den Weg. Und ich versuche mich in Achtsamkeit - rieche, fühle, lausche, sehe und atme die Natur. Ich bin entspannt wie schon lange nicht mehr - und das nach diesem Tagesstart.

Zurück von unserer kleinen Wanderung mit Kaiserschmarrn Pause in der Hütte, führe ich meinen Self Care Day weiter. Heute morgen war es der Körper, heute Abend widme ich mich der Kosmetik und meinen Sinnen. Ein Gesichtspeeling mit Haferflocken, eine Gesichtsmaske mit Quark, etwas Honig und Aloe Vera Gel sowie eine Duftlampe mit dem erdig-holzigen Geruch der Zirbe (immerhin bin ich in Österreich) und ruhiger Musik beenden diesen Tag fast. Im Bett lese ich dann noch eine Runde, bevor ich mit dem Rauschen des Windes im Ohr einschlafe.

Ich bin froh, den Tag so gestaltet zu haben und mich nicht von den grauen Wolken habe runter ziehen lassen. Self Care - auch schon fast so ein ausgelutschter Begriff - aber doch sehr wirkungsvoll. Vielleicht sollte ich den Rest des grauen Berliner Winters einen wöchentlichen Self Care Day einführen. Ja, kein schlechter Gedanke!

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